Jürgen Habermas

  • Im Schatten Kants 1: Der Stein der Weisen

    Immanuel Kant und der Stein der Weisen „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen.“ Hermann Cohen, Kants Theorie der Erfahrung, Berlin 1885, Seite XIV (1)            English-Version Der gebrochene Damm Lange habe ich hin- und herüberlegt, ob ich mich daran beteilige: Immanuel Kant, der philosophische Autor, mit dessen Werken ich mich irgendwann intensiv beschäftigen musste, wird in diesem Jahr anlässlich seiner Geburt vor 300 Jahren – am 22. April 1724 – „Auflagen-erheischend“ gefeiert: Die Welle von Buch-Publikationen, Magazin-Sonderausgaben und Feuilleton-Artikeln in deutschen Zeitungen steigt kontinuierlich an und „ersäuft“…

  • Irrwege des Ruhms: Wenn Experten und Intellektuelle in der Krise öffentlich Meinung machen

    Angesichts der Corona-Pandemie hat die internationale Wissenschaftsgemeinschaft beeindruckende Tatkraft bewiesen und in kürzester Zeit große Erkenntnisfortschritte beispielsweise rund um die Wirkmechanismen beim Eindringen in den menschlichen Körper erreicht. Wer etwa Mitglied der American Association for the Advancement of Science (AAAS) – der weltweit größten Wissenschafts-Gesellschaft – ist, konnte anhand des Science-Newsletters und der wöchentlichen Ausgabe des Wissenschafts-Magazins Science just-in-time am ständigen Erkenntniswachstum teilhaben. Die AAAS hatte dazu eine spezielle COVID-19-News-Rubrik eingerichtet, die auch heute am 8. September 2020 ständig aktualisiert in Funktion ist. Einer der Slogans der AAAS lautet „Now is the Time to Listen to Science” –…

  • Hilfe! – Wir leben in der „Postfaktizität“!

    Seit einiger Zeit ist es in Kreisen bildungsbeflissener Konsumenten überregionaler Feuilletonseiten en vogue, darüber zu diskutieren, wir lebten in postfaktischen Zeiten – eine Perspektive, die als bedrückend empfunden wird. Zum einen bekümmert diese Menschen – mehr oder weniger tiefgründig –, dass Mitbürger – möglicherweise auch sie selbst – sich nicht mehr um Fakten kümmern, sondern vor allem Gefühlen folgen. Parallel schauen sie auf die mediale Präsentation von Politik und vermuten dort die Existenz einer „politischen Postfaktizität“. Worum es sich hierbei handeln soll, bleibt bei Diskussionen um Postfaktizität als politisches Phänomen oft unklar: Ist „Postfaktizität“ tatsächlich ein neues Phänomen?…