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  • Zum hundertsten Geburtstag: „Mario Bunge: A Centenary Festschrift“

    „Mario Bunge: A Centenary Festschrift“ Der international renommierte Wissenschaftsverlag Springer hat in diesen Tagen den mehr als 800 Seiten umfassenden Band „Mario Bunge: A Centenary Festschrift“ [Matthews, Michael R. (Hg.): Mario Bunge: A Centenary Festschrift, Springer Nature Switzerland: 2019. ] veröffentlicht. Herausgeber ist Michael R. Matthews – Honorarprofessor an der School of Education der University of New South Wales. Worum geht es in dem voluminösen Band? Es handelt sich um die 41 Kapitel umfassende Festschrift zu Ehren Mario Bunges, der in diesem Jahr – am 21. September – seinen 100. Geburtstag feiert. Das Buch, an dem Wissenschaftler aus…

  • Hilfe! – Wir leben in der „Postfaktizität“!

    Seit einiger Zeit ist es in Kreisen bildungsbeflissener Konsumenten überregionaler Feuilletonseiten en vogue, darüber zu diskutieren, wir lebten in postfaktischen Zeiten – eine Perspektive, die als bedrückend empfunden wird. Zum einen bekümmert diese Menschen – mehr oder weniger tiefgründig –, dass Mitbürger – möglicherweise auch sie selbst – sich nicht mehr um Fakten kümmern, sondern vor allem Gefühlen folgen. Parallel schauen sie auf die mediale Präsentation von Politik und vermuten dort die Existenz einer „politischen Postfaktizität“. Worum es sich hierbei handeln soll, bleibt bei Diskussionen um Postfaktizität als politisches Phänomen oft unklar: Ist „Postfaktizität“ tatsächlich ein neues Phänomen?…

  • So funktioniert Denken selbst am Abgrund!

    Denken in entscheidenden Situationen „Denken ist wichtig.“ wird häufig gesagt. Was hinter dieser, auf unserer Hirntätigkeit basierenden Kompetenz steckt, ist noch nicht komplett erforscht. Dass beim Denken im Rahmen des Treffens von Entscheidungen Einiges schief gehen kann, zeigt sich insbesondere beim Verhalten von Anlegern an der Börse. Als Ende der 90er Jahre das Thema Aktie in Deutschland populär wurde – Manfred Krug machte Werbung für die Telekom-Aktie – wurde auch das Thema Denken intensiv diskutiert. Damals ging es darum, wie Aktienanleger denken und warum sie Aktien kaufen, verkaufen und warum sie sich in Situationen zu spät von Aktien…

  • „Roll over Bertalanffy, tell Parsons and Luhmann the News!“

    System ist nicht gleich System! Was ist spannender als der Mensch? Der bekannte amerikanische Schriftsteller Kurt Vonnegut soll Studenten, die sich für die Geheimnisse des erfolgreichen und fesselnden Schreibens interessierten, erklärt haben, dass es durchaus möglich sei, selbst ein Gebirge spannend zu beschreiben. Es komme nur darauf an, dass in dem dabei entworfenen Bild auch ein Mensch zutage tritt. In der Folge des vorliegenden Beitrags wird es nicht darum gehen, eine spannende Erörterung des Aussehens eines Bergmassivs oder einer anderen geologischen Merkwürdigkeit spannend zu umschreiben – was tatsächlich bereits ein schwierig zu meisterndes Unterfangen wäre. Hier wird es…

  • Können die Leugner des Klimawandels die Erd-Erwärmung aufhalten?

    Fakten zum Klimaschutz-Skeptizismus in Deutschland Klimaschützer, die sich für aktuelle Forschungsergebnisse interessieren, können seit Jahren auf reichlich Lesestoff zurückgreifen. Es erschienen zahlreiche Studien, die den Rückgang des öffentlichen Interesses an Klimaschutz-Fragen und den parallelen Anstieg des sogenannten „Klimaschutz-Skeptizismus“ analysieren. Viele Beobachter halten die hiermit angesprochene, von dem amerikanischen Soziologen Riley E. Dunlap beschriebene „Produktion von Zweifel“ für ein typisch US-amerikanisches oder angelsächsisches Phänomen.   Mit der Veröffentlichung des sogenannten „Hockeyschläger-Verlauf“ der Klimageschichte begannen im Jahr 1999 die Kampagnen von Klimawandel-Leugnern gegen die Verbreitung der Ergebnisse der Klimaforschung. Die Hockeyschläger-Kurve von 1999 ist blau eingezeichnet, die grünen Punkte basieren…

  • Konzeptions-Werkzeug: Wie kann Kommunikation von A bis Z gestaltet werden?

    Kommunikations–Prozesse können „modelliert“ werden. Kurz, kommunizierende Individuen stehen sowohl in horizontalen als auch in vertikalen Beziehungen zu anderen Personen und Teilsystemen. (1) Paul Watzlawick, Janet H. Beavin, Don D. Jackson Die Analyse von Kommunikation In empirischen Wissenschaften ist es üblich mit systemischen Konzepten – beispielsweise mit kybernetischen Modellen zu arbeiten. Auch in der Praxis bietet sich systemisches Vorgehen an: Der Nutzen des System-Modells und der darauf aufbauenden Begrifflichkeit liegt in der gezielten Anregung unserer kreativen Vorstellungskraft. Das Modell »beflügelt« auf der einen Seite die Fantasie der Analytikerin, trägt aber auf der anderen der Hypothesengeleitetheit unseres Erkenntnisprozesses Rechnung. Der intellektuelle Horizont der…

  • Geteiltes Leid ist doppeltes Leid!

    Umfassende soziale Prägung Tagtäglich fühlen wir uns als von unserem Umfeld losgelöste und emanzipierte Wesen – als Individuen. Doch empirische Forschung der letzten Jahrzehnte macht immer deutlicher, wie umfassend unsere Prägung durch unser soziales Umfeld ist. Blicken wir auf die Evolution: Die Anforderungen des Zusammenlebens in immer größeren Gruppen begleiteten die Entwicklung des menschlichen Neocortex, der neuronalen Grundlage von autonomem Denken und Handeln. Sozio-neurologische Untersuchen zeigen, dass in unserem Großhirn ständig Prozesse ablaufen, die darauf abzielen, den Status unserer Gruppenbeziehung zu überwachen. Wir sind ständig neuronal-kollektiv vernetzt. Gruppenwesen sind wir durch-und-durch – selbst die Struktur und Funktionsweise unseres…

  • Was Kahneman in der Hektik des Nachdenkens wahrscheinlich vergaß …

    Jetzt aber schnell! Etwas spät – erst vor einigen Wochen – habe ich das Buch von Daniel Kahneman – Schnelles Denken, langsames Denken – entdeckt: Besser spät als nie! Dabei kenne ich Ausschnitte Kahnemans Arbeiten schon seit langem. Das zusammen mit Amos Tversky und Paul Slovic herausgegebene “Judgement under uncertainty: Heuristic and biases” (1982) hat einen festen Platz auf meinem Bücherregal. Aufmerksam geworden bin ich auf Kahneman durch Amati Etzionis “The Moral Dimension” (1988) und Mario Bunges kritische Analysen des ökonomischen Paradigmas. In eigenen Texten habe ich mich wiederholt auf Kahnemans und Tverskys Forschungsergebnisse bezogen (z.B. in: „Kommunikation,…

  • Ihr Herz wurde gebrochen? Nehmen Sie ein Aspirin!

    In einem kürzlich in den USA veröffentlichen Buch über aktuelle Ergebnisse der Neurowissenschaften wird von einer höchst interessanten Studie berichtet: Probanden wurden danach gefragt, was sie mehr fürchten – den Tod oder den Auftritt als Rednerin oder Redner vor einem großen, unbekannten Publikum. Wer hätte das gedacht: Die Mehrzahl der Befragten schätzte die Angst vor der Rede am höchsten ein. Ein amerikanischer Comedian schloss daraus, dass es Besuchern einer großen Trauerfeier offenbar lieber sein könnte, im Sarg vorne am Altar zu liegen, als die Trauerrede  davor halten zu müssen. Tiefsitzende Angst vor sozialer Ausgrenzung Doch Scherz beiseite: Was…

  • Dunning-Kruger-Effekt: So lässt sich Inkompetenz bändigen!

    Die Tragik der Unfähigkeit: Blind gegenüber der eigenen Beschränktheit Stellen Sie sich auch manchmal diese Fragen? Wie kommt es, dass es uns oft nicht gelingt, in der Zusammenarbeit etwa mit Kollegen zu einem befriedigenden gemeinsamen Ergebnis zu kommen? Obwohl wir doch über bestens bewährtes – sogar empirisch-wissenschaftlich geprüftes – Wissen verfügen? Warum gelingt es nicht, dieses solide Wissen in erfolgreiches Handeln umzumünzen? Was geht da schief? Viele unterschiedliche Gründe ließen sich dafür auflisten. Eine besonders prägnante und ständig wieder auftauchende Ursache stellt die Unqualifiziertheit von Personen dar, die ihre Fähigkeiten systematisch überschätzen. Diese Inkompetenz hat das Potenzial, den…